Vergiftete Romantik, gebrochene Sehnsucht und der Trost der Malerei.

Dynamik bestimmt die Wahrnehmung von Landschaft. Gleich ob von Auto, Bahn oder Fahrrad aus gesehen, die Ansichten verschieben sich ständig, selbst noch im Laufe einer Wanderung. Das Bild ist nicht zu fassen, es droht in aller Dynamik zu verschwinden. Wie im Film wird der Eindruck der Umgebung nur ein Hintergrund für mögliche Geschichten.

Dagegen hält ein gemaltes Bild einen Eindruck fest. Der Maler verfestigt in konzentrierendem Prozess mit einigem Aufwand an Zeit, erarbeitetem Wissen und Material einen Moment, er kombiniert Erkennbares und subjektiv Gesehenes mit traditionellen Techniken in eine auf Dauer gestellte Szene. Um diese erneut zu dynamisieren, müssen die Betrachter zu wandern beginnen – mit den Augen in der anderen, der virtuellen Welt. Für solche Gänge durch erfundene Erlebnislandschaften lohnt es sich zu malen.

Die Milchstrasse sucht Lutz Bleidorn nicht am Himmel, sondern im Wald. Das mag ernüchternd klingen. Doch den bäuerlichen Wirtschaftsweg mit Tankwagen als Milchstraße zu sehen, heißt eben auch, in der Restnatur und der so oft überformten Landschaft vor der Stadt einen Moment von besonderer Bedeutung, von individuellen Träumen und tröstlicher Poesie im Alltäglichen zu finden. Oder solche einverständigen Augenblicke zumindest zu ersehnen.